Worte

DIGITALE

ZEICHNUNG § MALEREI

 

WORTE

Zu meinen Arbeiten

 

Meine Arbeiten entstehen am Computer, werden digital ausgearbeitet und haben immer vorerst den Status von Entwürfen. Jene Entwürfe dienen einerseits als Vorlagen für klein- und großformatige Drucke. Andererseits sind meine Arbeiten realisierbar als Leinwandarbeiten oder großflächige Wandmalereien. Wandmalereien, die über den frei übertragenen Entwurf immer wieder auf tatsächliche Gegebenheiten flexibel reagieren. Großflächig eingebunden in ein architektonisches Gesamtgefüge, sind meine Arbeiten zumeist darauf ausgelegt, auf der ersten Ebene der Wahrnehmung als visuelles Ereignis zu erscheinen. Abhängig von äußeren, baulichen Gegebenheiten können sie in ihrer Präsenz und Erfahrbarkeit variieren. Ähnlich erschließbar wie Werbeinterventionen wirken die verwendeten lauten, schrillen Farben herausfordernd. Sie ziehen Blicke auf sich und werden über die angestrebte Größe der Arbeiten nochmals verstärkt.

 

Über die Geometrisierung und eine exakte, per Lineal gezogene Begrenzung, ergibt sich eine Verhärtung und Verdeutlichung des gesamten Bildgefüges. Linien lassen Flächen entstehen, die nach und nach, ausgefüllt über einen gleichmäßigen Farbauftrag, einen "Anstrich" erfahren. Der Gestus bleibt ganz bewußt ausgespart. Zeichenhafte Formen mit technoidem Tenor, scheinbar erinnernd an maschinelle, industriell gefertigte Dinge bahnen sich ihren Weg in einem Drunter und Drüber, in einem Davor und Dahinter in die Wahrnehmung des Betrachters.

Die Formen sind frei erfunden, zusammengesetzt aus Fragmenten real existierender Dinge. Sie werden zu streng, über Form und Farbe, eingegrenzten Elementen, die miteinander kombiniert, "symbolhaft" im Bildkontext auftauchen.

 

Als gedankliches Ausgangskonstrukt hinter meinen Arbeiten steht eine Auseinandersetzung mit Sprache im allgemeinen. Der Auffassung folgend, Sprache sei, selbst entstanden aus erdachten Kombinationen erdachter Zeichen, ein erklärendendes, Ordnungssysteme schaffendes Instrument, wird Sprache als ein Konstrukt betrachtet, welches zur Konstruktion weiterer Erfindungen fast zwingend notwendig ist. Erst über die Sprache gelangen die Dinge in die Welt.

"In der Tat [...] vermögen wir Bedeutungen, Begriffe, Sachen nur zu denken, wenn sie geknüpft sind an Zeichen und Worte. Zwar vermögen wir den Gedanken von der Sprache zu lösen, indem wir ihn in anderen Worten oder in anderer Sprache ausdrücken. Aber irgendwo muss er gleichsam befestigt werden. Die Sprache ist nicht nur unausweichlich, um Gedanken anderen mitzuteilen, wir teilen den Gedanken auch uns selbst nur sprachlich mit. [...]: der Gedanke wird erst klar, mir selbst bewusst und mitteilbar, wenn er in der Sprache sich niedergeschlagen hat. (Wissen muss sich aussprechen.) Ohne Sprache ist es nicht da." (Karl Jaspers)

Das unbekannte Zeichen impliziert einen ihm zugrundeliegenden Begriff, eine ihm zugrundeliegende Bedeutung. "In der gewöhnlichen Auffassung wird stets das Bekannte auf das Unbekannte übertragen, damit es sich in der Reihe der gewohnten Überlegung einreihen lässt." (Laurent Verycken)

 

Ausgehend vom Zeichen, welches als Zeichen begriffen wird, ist in meinen Arbeiten eine Umkehrung vorgenommen worden. Denn, nach Jaspers, "[...] beginnt das Zeichen immer damit, sich dem Bezeichneten möglichst nahe anzuschmiegen, gleichsam in sich aufzunehmen und es so genau und vollständig als möglich wiederzugeben." Innerhalb meiner Arbeiten sind jedoch die Zeichen ihrer eventuellen Bedeutung vorangestellt. Rein formale Gebilde zeigen erfundene, zeichenhafte Formen, deren Bedeutungsgehalt im Verborgenen, im nicht Auszumachenden bleibt. Irritierend und das Gesamtgefüge aufbrechend wirkt das Zusammenspiel von sowohl perspektivischen Bewegungen, absonderlichen Verdrehungen, Auslassungen und Unvollkommenheiten, als auch der poppig-grellen Farbgebung.

Rein inhaltlich geht es in meinen Arbeiten gerade um ein Forcieren von Versuchen das Gesehene, das Beobachtete, das Außen, einzuordnen, den Sinngehalt zu erfassen und zu formulieren. Gleichzeitig sollen die gemachten Zuschreibungen nicht festzulegen sein.

 

Jana Rieckhoff

(2006)

JANA RIECKHOFF

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